Pilzvergiftungen - Giftpilze

Erkrankungsursachen nach Pilzgenuss

 
Kommt es nach der Pilzmahlzeit zu einer Erkrankung, so muss es nicht unbedingt eine Pilzvergiftung sein. Viele "Pilzvergiftungen" entstehen durch den Genuss von überalterten und verdorbenen Pilzen. Dies sind klassische Lebensmittelvergiftungen durch verdorbenes Eiweiß. Pilze sollten daher nicht in Plastiktüten gelagert, sondern nur in luftigen Körben gesammelt werden. Behandeln sie Pilze wie rohes Hackfleisch!
   
Pilzkorb - so sollten die Fruchkörper transportiert werden      Solche jungen Pilze können Sie sammeln.
 
Eine zu große Mahlzeit, zu fette oder schlecht gekaute Pilze können gerade bei schwer verdaulichen Pilzen schnell zu einem unangenehmen Magendrücken, bis hin zu echten Magenbeschwerden führen. Manche Inhaltsstoffe, insbesondere Eiweißverbindungen, können bei einigen Menschen allergisch wirken.
 
Solche schimmeligen, alten Pilze sollten nicht mehr gesammelt werden. Sie lösen Eiweißvergiftungen aus.
 
Was tun bei einer Pilzvergiftung?
  • Nehmen Sie unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch. Die Schwere einer Vergiftung ist von der Zeit zwischen Mahlzeit und Beginn der Behandlung abhängig. Verständigen Sie unbedingt eine Gift-Notruf-Zentrale oder lassen Sie sich zum nächsten Krankenhaus bringen.

  • Es gibt keine Hausmittel! Eine Behandlung mit Milch oder Salzwasser zum Auslösen von Erbrechen kann nachteilig wirken!
  • Es ist wichtig, dass Sie im Falle einer Vergiftung alle noch vorhandenen Putzreste der Pilze sicherstellen.

  • Bestehen Sie auf die Hinzuziehung eines geprüften Pilzsachverständigen.

MAGEN-DARM-GIFTE (Gastrointestinales Syndrom)
 
Auslöser:
Karbol-Egerling, Riesen-Rötling, Tiger-Ritterling, Satans-Röhrling, Korallen, Fälblinge und Schleierlinge.
Viele essbare Arten sind im Rohzustand giftig, z. B. Flockenstieliger Hexen-Röhrling und Perlpilz.
 
Symptome: Störung des Magen-Darm-Bereiches
 
Karbol-Egerling (Agaricus xanthoderma)
 
Die chromgelbe Verfärbung an der Stielbasis und beim Reiben am Hut sind ein sicheres und eindeutiges Merkmal für den Karbol-Egerling. Die verfärbten Stellen werden nach ca. 1 Stunde bräunlich.
 
Der Karbolgeruch ist dagegen nicht immer am frischen Pilz feststellbar. Dieser Geruch tritt häufig erst beim Kochen auf. Das Wasser verfärbt sich beim Kochen chromgelb.
 
Es kommt vor, dass der Karbol-Egerling mit essbaren Egerlingsarten durcheinander wächst.
 
ORGANGIFTE
 
Gyromitra-Syndrom
 
Auslöser:  Frühjahrs-Lorchel
Wirkung: tödliche Nierenschädigung
 
Frühjahrs-Lorchel (Gyromitra esculenta)
 
Der Fruchtkörper ist 5 - 15 cm hoch bzw. breit, rundlich. Die Oberfläche ist hirnartig gewunden. Der Stiel ist kurz, grubig, hohl gekammert.
 
Die Frühjahrslorchel kommt von Ende März bis Juni einzeln oder gesellig in sandigen Nadelwäldern vor.
 
Früher galt der Pilz als essbar, wenn er gut gekocht und dass Kochwasser weggegossen war. Abkochen bietet jedoch keine Gewähr gegen Vergiftung.
 
Vom Genuss der Frühjahrs-Lorchel wird dringend abgeraten.
 
Orellanus-Syndrom
 
Auslöser: Spitzgebuckelter Rauhkopf, Orangefuchsiger Rauhkopf, Dottergelber Klumpfuß
Wirkung: tödliche Nierenschädigung
 
Spitzgebuckelter Rauhkopf
(Cortinarius speciosissimus)
 
Der Hut hat einen Durchmesser von 3 - 8 cm, ist anfangs halbkugelig, später kegelförmig und ausgebreitet mit dickem Buckel. Der Hut ist lebhaft orangerot und feinschuppig. Der Stiel ist bis 10 cm lang, oft verbogen, hutfarben und mit mehreren gelblichen Velumresten gegürtelt.
 
Von Juli bis Oktober kommt der Pilz einzeln bis gesellig in sauren Fichtenwäldern vor.
 
Häufig werden junge Rauhköpfe mit Pfifferlingen oder Trompetenpfifferlingen verwechselt.
 
Phalloides-Syndrom
 
Auslöser: Knollenblätterpilze, fleischfarbene Schirmlinge, Gift-Häubling
Symptome: Ca. 6- 12 Stunden nach der Mahlzeit zeigt sich Übelkeit, Bauchschmerzen,Erbrechen und Durchfall.
                   Nach 2 - 4 Tagen tritt die Phase der schweren Leberschädigung ein.
Wirkung:  tödliche Leberschädigung
 
Grüner Knollenblätterpilz
(Amanita phalloides)
 
Der Hut ist 4 - 12 cm, anfangs eiförmig, bald kegelig bis gewölbt. Bei Feuchte ist die Huthaut klebrig. Die Huthaut ist gelbgrün, olivgrün bis dunkeloliv. Die Lamellen sind weiß. Der Stiel ist bis 12 cm lang. Unterhalb des Rings ist der Stiel grünlich schimmernd. Die Stielbasis ist knollig.
 
Der Grüne Knollenblätterpilz riecht nach Kunsthonig, wenn man an ihm reibt.
 
Von Juli bis November kommt er in Eichen- und Buchenwäldern vor.
 
 
NERVENGIFTE
 
Muskarin-Syndrom
 
Auslöser: Risspilze (Ziegelroter Risspilz), Bleiweißer Trichterling, Rosa Rettich-Helmling
Symptome: Schweißausbrüche, Speichelfluß, Augentränen, Magenbeschwerden, Erbrechen und Durchfall
                   Der Blutdruck sinkt ab, der beschleunigte Puls verlangsamt sich. Sehstörungen treten auf.
                   Es kommt zu Atembeschwerden, die bis zum Atemstillstand führen können
Wirkung: kann tödlich sein
Gegengift: ATROPIN
 
Ziegelroter Risspilz (Inocybe erubescens)
 
Der Hut ist 2-10 cm breit, anfangs kegelig, dann glockenartig ausgebreitet. Ein Buckel an der Spitze ist erkennbar. Der Hut reißt strahlenförmig ein. Die Huthaut ist weißlich bis blass strohgelb-ocker. Später bei Druck ziegelrötlich, im alten Zustand rotbräunlich. Die Lamellen sind erst weißlich, blassrosa schimmernd, später graubeige. Der Stiel ist 4 - 8 cm lang, anfangs weißlich, im Alter und bei Druck rötend.
 
Der Pilz kommt von Mai bis August in Parkanlagen, Gärten, Laubwäldern und an Waldwegen, bevorzugt auf Kalk, vor.
 
Der Ziegelrote Risspilz hat 500 mal mehr Muskarin als der Fliegenpilz.
 
Rosa Rettich-Helmling (Mycena rosea)
 
Der Hut ist 2-6 cm breit. Jung ist er kugelig, später gewölbt bis ausgebreitet und gebuckelt. Die Oberfläche ist glatt, manchmal wellig. Die Hutoberfläche ist ausblassend, rosafarben bis rosenrot, manchmal mit cremefarbigen, blassockerfarbigen Scheitel. Der Rand ist durchscheinend gerieft. Die Lamellen sind weißlich mit einem rosa Ton. Der Stiel ist 5-8 cm lang und weiß. Die Basis ist weißfilzig-striegelig.
 
Der Pilz riecht rettichartig.
 
Der Rosa Rettich-Helmling kommt von Sommer bis Herbst meist gesellig in Laub- und Mischwäldern, verbreitet auf Kalkböden, vor.
 
Der Rosa Rettich-Helmling weist unter den Rettich-Helmlingen den höchsten Gehalt an Muscarin auf.
 
Pantherina-Syndrom
 
Verursacher: Fliegenpilze, Pantherpilz
Symptome: Schwindel, Benommenheit, Rauschzustände, Halluzinationen, Atemnot, Erregungszustände
                     Anschließend tritt eine Tiefschlafphase ein. Man erwacht meist im Normalzustand.
Wirkung:  Für ältere Menschen oder herzkranke Personen kann diese Vergiftung tödlich sein.
 
Fliegenpliz (Amanita muscaria)
 
Der Hut ist 5-30 cm breit. Im Jugendstadium kugelig mit weißer Hülle, dann gewölbt, später flach ausgebreitet. Die Oberfläche ist rot, orangegelb, alt blassgelb. Auf dem Hut befinden sich abwaschbare, unregelmäßig angeordnete Velumflocken. Diese können nach Regen ganz abgewaschen sein. Die Lamellen sind weißlich. Der Stiel ist 6-20 cm lang und weiß.Am Stiel ist ein schlaff herabhängender Ring. Die Stielbasis ist knollig mit einem mehrfachen schuppigen Warzengürtel.
 
Von Juli bis Oktober kommt der Fliegenpilz unter Birken oder Fichten vor.
 
Pantherpilz (Amanita pantherina)
 
Der Hut ist 5-12 cm breit, jung halbkugelig, später gewölbt, dann flach ausgebreitet. Die Oberfläche ist glänzend hellbraun, graubräunlich bis dunkelbraun. Auf der Huthaut befinden sich regelmäßig angeordnete, abwischbare Velumreste. Die Huthaut kann man bis zur Mitte abziehen. Die Lamellen sind weißlich. Der Stiel ist 5-12 cm lang, weiß, feinfaserig. Der Ring am Stiel ist hängend und vergänglich, ungerieft. Die Knolle ist bis zu 4 cm breit, wulstig gerandet mit bis zu drei Gürtelzonen (Bergsteigersöckchen).
 
Der Pantherpilz ist geruchlos bzw. schwach rettichartig.
 
Von Juli bis Oktober kommt der Pantherpilz in Laub- und Nadelwäldern vor.
 
Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal bei Knollenblätterpilzen ist die Stielbasis.
Psilocybe-Syndrom
 
Verursacher: Düngerlinge und Kahlköpfe
Symptome: Schwindel, Benommenheit, Rauschzustände, Halluzinationen, Atemnot, Erregungszustände
Wirkung: Für ältere Menschen oder herzkranke Personen kann diese Vergiftung tödlich sein.
 
Behangener Düngerling (Panaeolus papilionaceus)
 
Der Hut ist 1,5-4 cm breit, kegelig bis glockig gewölbt. Die Oberfläche blasst nicht aus, ist matt, manchmal runzelig, seidig glänzend, grau bis graubraun. Bei jungen Exemplaren sind am Rand die weißen, fransigen Velumreste zu erkennen. Die Lamellen sind grau marmoriert, später schwarz. Der Stiel ist bis zum 14 cm lang, zerbrechlich, grau oder rotbräunlich und weiß bereift.
 
Der Behangene Düngerling kommt von Mai bis Oktober gesellig auf Dung oder neben alten Dunghaufen und auf gedüngten Wiesen vor.
 
SONSTIGE VERGIFTUNGEN
 
Coprinus-Syndrom
 
Verursacher: Falten-Tintling, Glimmer-Tintling
Symptome: Schweißausbrüche, rote Flecken im Gesicht,  die Körperhaut verfärbt sich lila
Diese Vergiftung tritt nur in Verbindung mit Alkoholgenuss auf. Coprin im Pilz verhindert den Alkoholabbau im Körper.
 
Falten-Tintling (Coprinus atramentarius)
 
Die Hüte sind 3-10 cm hoch und 3-6 cm breit. Zu Beginn sind sie eiförmig, dann kegelig-glockig. Der Rand ist gerieft, alt zerrissen, aufgebogen und beginnt tintenartig zu zerfließen. Die Oberfläche ist grauweißlich, aschgrau bis graubräunlich. Der Stiel ist 6-15 cm lang, hohl und zerbrechlich. Die Stielbasis ist verdickt mit Wulst.
 
Der Faltentintling kommt von April bis November in Parks, an Wegen und in Laubwäldern vor.
 
Der Pilz ist essbar, aber in Verbindung mit Alkohol giftig!
 
Paxillus-Syndrom
 
Verursacher: Kahler Krempling
Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen)
Beim Paxillus-Syndrom handelt es sich um eine allergische Reaktion, die recht selten auftritt (meist nach mehrmaligem Verzehr).
 
Bilder dazu folgen demnächst
Kahler Krempling (Paxillus involutus)
 
Der Hut ist 5-10 cm breit, bald niedergedrückt. Die Oberfläche ist feucht schmierig und trocken matt glänzend. Er ist gelbbraun, olivbraun oder rotbraun. Der Rand ist lange eingerollt und meist gefurcht. Bei Druck verfärben sich Hut, Stiel und Lamellen braunrot. Der Stiel ist 5-8 cm lang, voll, oft gebogen, schmutzig gelblich. Der Geruch und Geschmack ist säuerlich.
 
Der Kahle Krempling kommt von Juni bis November in Laub- und Nadelwäldern sehr häufig vor.